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Einladung zur Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung 2016

Gedenkveranstaltung 2015Am 22. April 1945 wurde Mahlow-Blankenfelde von der Roten Armee befreit. Ebenso das Krankenhaus für Zwangsarbeiter, das sogenannte „Ausländerkrankenhaus“, welches im Wald zwischen Blankenfelde und Mahlow lag.

Aus diesem Anlass findet auf Initiative der Ideenwerkstatt der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow am 22.04.2016 um 18.00 Uhr eine ca. halbstündige Gedenkfeier am ehemaligen Eingangsbereich des Krankenhausgeländes statt.


Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung stehen die 1500 verstorbenen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die namentlich bekannt sind. Im Rahmen der Veranstaltung besteht die Möglichkeit, den Rundweg mit der Tafelausstellung zu besichtigen.

Alle Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen.


Mit Steinen gegen das Vergessen
GEDENKVERANSTALTUNG AM AUSLÄNDERKRANKENHAUS (2015)

Gedenkveranstaltung 2015Zu einer besonderen Gedenkveranstaltung trafen sich am 22. April 2015 Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde um gemeinsam dem 70. Jahrestag der Befreiung des Ausländerkrankenhauses Mahlow zu gedenken. Auf dem ehemaligen Industrieareal am Ende der Blankenfelder Ahornstraße war zwischen 1942 und 1945 ein zentrales Krankenhaus für ausländische Zwangsarbeiterinnen und Arbeiter eingerichtet. Hier kamen 1494 Männer, Frauen und Kinder ums Leben.

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung erinnerte Bürgermeister Ortwin Baier an den Entstehungsprozess dieses Gedenkorts. „Die Geschichte dieses Ortes während des Nationalsozialismus war über die Jahrzehnte zunehmend in Vergessenheit geraten. Deshalb entschloss sich die Gemeinde – angestoßen durch einen im Jahr 2010 gefassten Gemeindevertretungsbeschluss – Anstrengungen zu unternehmen, um die Erinnerung wachzuhalten. Die Ideenwerkstatt hat sich diesem Thema angenommen. Stellvertretend für alle engagierten Teilnehmer, richte ich meinen besonderen Dank an Frau Dr. Kersting, Frau Grassmann, Frau Bomke, Frau Hellberg und Herrn Ebel.“

Im Anschluss an den Bürgermeister gab Frau Dr. Kersting einen kurzen historischen Überblick zur Geschichte des Ausländerkrankenhauses. „Das Lager umfasste 25 Baracken, darunter 10 Krankenbaracken mit mehr als 800 Betten. Bis zur Befreiung durch die Rote Armee starben an diesem Ort 1494 Menschen überwiegend aus Russland, der Ukraine, aus Polen und weiteren europäischen Nationen.“ Anschließend lud die Mahlower Ortsvorsteherin Regina Bomke die Anwesenden ein, an einer besonderen Gedenkaktion teilzunehmen. Anlässlich der Veranstaltung wurden 1500 Steine bereitgelegt. Jeder dieser Steine steht symbolisch für einen Toten des Ausländerkrankenhauses.

Gedenkveranstaltung 2015 - Jeder Stein symbolisiert ein Opfer„Steine gelten in vielen Kulturen als Erinnerung an die Toten, weil Steine überdauern und sich
gegen die Zeit stellen. Sie stemmen sich gegen das Vergessen.“ Die Teilnehmer waren nun eingeladen, diese Steine auf dem Areal einer ehemaligen Baracke des Ausländerkrankenhauses zu verteilen. Während dieser Aktion hatten die Anwesenden die Möglichkeit, der Toten zu gedenken. Ebenso wie die vielen Verstorbenen, ist auch jeder Stein, durch Form, Größe und Gewicht, einzigartig. Auch ließ sich durch die schiere Zahl der Steine und die Dauer der Aktion ermessen, wie groß die Zahl 1494 wirklich ist.Während der Gedenkveranstaltung

Gedenkveranstaltung 2015



Unter den Gästen entstand eine besondere melancholisch-nachdenkliche Stimmung. Neben Einwohnern der Gemeinde nahmen auch viele Gemeindevertreter, aber auch Zeitzeugen und Jugendliche an der Veranstaltung teil – ein schönes Zeichen, dass sich das Gedenken an die Schrecken unabhängig vom Alter durch große Teile der Bevölkerung zieht. Und ein Hoffnungsschimmer, dass die Geschichte des Ausländerkrankenhauses Mahlow weiterhin in Erinnerung bleiben wird.

Neue und vertiefte Einblicke zum ehemaligen Ausländerkrankenhaus in Mahlow gewonnen (2013) 

Zu einem ungezwungenen Erinnerungsgespräch hatte die Ideenwerkstatt am 28. August 2013 in die „Alte Aula“ in Blankenfelde eingeladen. Ziel der Veranstaltung war der formlose Austausch über Erlebnisse und Erinnerungen in Zusammenhang mit dem geschichtsträchtigen Areal des Ausländerkrankenhauses Mahlow und seinem späteren Verwendungszweck als Industrie- und Gewerbegebiet.

Viele ältere Bürger, die sich wirklich erinnern konnten, waren erschienen.

Nachdem die Mitglieder der Ideenwerkstatt den Dialog mit Luftbildern des Geländes zu verschiedenen Zeiten eingeleitet und ihre Vorstellungen von einer weiteren Ausbaustufe des Gedenkorts erläutert hatten, eröffneten die Moderatoren das Gespräch. Die Erinnerungen von verschiedenen Bürgerinnen und Bürgern waren außerordentlich vielfältig und interessant. Sie konnten genaue Beschreibungen von Räumlichkeiten in den Baracken geben, die sie von der Arbeit im Pharmazeutischen Werk kannten und berichteten von Begegnungen mit den Gefangenen. Der Gesprächsabend wurde mitgeschnitten, die Inhalte sollen Niederschlag bei der weiteren Gestaltung des Gedenkorts finden.

 

Gemeinde eröffnet Stelen-Rundweg um das Gelände des ehemaligen Ausländerkrankenhauses

Nach mehreren Jahren des Diskutierens und Planens war es am 21. April 2013 dieses Jahres endlich so weit. Bei sonnigem Aprilwetter zelebrierte unsere Gemeinde knapp 68 Jahre nach Befreiung des Ausländerkrankenhauses im Beisein von 200 Bürgern und Gästen - darunter Vertreter der Botschaften der Russischen Föderation sowie der Republiken Tschechien, Ukraine und Estland - die Eröffnung eines aus neun Informationsstelen bestehenden Rundwegs um das ehemalige Lagergelände. Musikalisch begleitet wurde die Eröffnungsfeier durch die Jugend-Musikgruppe „Deranjad & House“ und Udo Koloska, der mit einem Saxophonsolo brillierte.

V.L.n.r.: Botschaftsrat Vasyl Khymynets (Republik Ukraine), Vizekonsul Michal Bolewski (Republik Polen),
V.l.n.r.: Botschaftsrat Vasyl Khymynets (Republik Ukraine), Carl Eric Laantee Reintamm (Gesandter der Republik Estland), Bürgermeister Ortwin Baier, Botschaftsrat Ilya Erofeev (Russische Föderation) und Botschaftsrat Petr Hostalek (Republik Tschechien) kurz nach der Enthüllung der ersten Stele des Rundwegs

Bürgermeister Ortwin Baier sprach in seiner Eröffnungsrede von der unbedingten Pflicht zur Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Zustimmend zitierte er den spanischen Philosophen George Santayana, der den mahnenden Ausspruch prägte, dass, wer die Vergangenheit vergesse, dazu verdammt sei, sie zu wiederholen. Deshalb, so der Bürgermeister, sei es wichtig, den nachkommenden Generationen historisches Wissen über diese Zeit zu vermitteln. Unsere Gemeinde sei damals keine Insel der Seligen, sondern Teil eines nationalsozialistischen Deutschlands gewesen, das Europa in Schutt und Asche legte und Millionen Menschen folterte, verschleppte, ausbeutete und ermordete.

Der Bürgermeister dankte Dr. Frank Hummeltenberg dafür, dass er mit ersten Studien zur Geschichte des Areals den sprichwörtlichen Stein ins Rollen brachte. Zudem dankte er Dr. Ulrike Kersting und den ehrenamtlichen Mitgliedern der Ideenwerkstatt, die sich seit dem Jahr 2010 mit der Gestaltung des Geländes zum historischen Lern- und Gedenkort befassen.

Dr. Kersting stellte in ihrer anschließenden Rede die Arbeit der Ideenwerkstatt dar, die mit der Eröffnung des Rundwegs nicht beendet sei. Die Werkstatt werde weiter zur Geschichte des Geländes arbeiten, die Eröffnung des Rundwegs sei nur ein erster Schritt. Sie und die anderen Werkstattmitglieder hoffen auch für die Zukunft auf die finanzielle und fachliche Unterstützung der Gemeinde.

Prof. Dr. Richard Schröder sprach in seiner Festrede darüber, warum sich Menschen immer wieder als Helfershelfer von Diktaturen zur Verfügung stellen. Der Mensch sei stets und immer versuchbar, Diktatur und Krieg seien deshalb jederzeit möglich. Eine humanistische Erziehung der Jugend helfe dagegen leider nur wenig. Denn wenn es hart auf hart komme, sei der Opportunismus des Einzelnen zumeist stärker als die hehren moralischen Überzeugungen, die er gestern noch als unveräußerlich und ewig gültig proklamierte.
Da dem Einzelnen wegen seiner mangelnden moralischen Beständigkeit nicht vertraut werden könne, müssten die Institutionen des demokratischen Rechtsstaats wie beispielsweise das Grundrecht auf Meinungsfreiheit und eine unabhängige, an geltendes Recht gebundene Justiz als Bollwerke gegen Diktatur und Krieg gestärkt und gegen politische Angriffe verteidigt werden. Meinungsfreiheit und unabhängige Justiz seien stets die ersten Opfer einer Diktatur.

Danach hielten die Vertreter der Botschaften der Russischen Föderation, Tschechiens und der Ukraine sowie Nicole Mein von den Berliner Stadtgütern ihre kurzen Grußworte. Im Anschluss begaben sich die Veranstaltungsteilnehmer zur mit rotem Tuch verhüllten ersten Stele des Rundwegs, um ihrer Enthüllung durch den Bürgermeister und die Vertreter der Botschaften beizuwohnen.
Zum Abschluss der Veranstaltung begleitete der Bürgermeister die Botschaftsvertreter auf einem ersten, von Axel Drieschner (Schulz & Drieschner GbR, Büro für Zeitgeschichte und Denkmalpflege) geführten Rundgang.

Blick ins Publikum

Blick ins Publikum während eines musikalischen Intermezzos der Gruppe "Deranjad & House"

 

Führungen nach Vereinbarung
Wir begleiten und informieren Sie über den Gedenkort "Ausländerkrankenhaus Mahlow" in öffentlichen Einführungen. Für Anfragen und Terminabsprachen kontaktieren Sie bitte:

Katharina Schiller
Tel: 03379 333-110
E-Mail: katharina.schiller@blankenfelde-mahlow.de